SZM, Studienkreis Zürcher Mineraliensammler
Mineralien- und Fossilienbörse Zürich Kristalle, Mineralien und Fossilien Sammeln
   
Home

Der SZM

Kontaktseite

Anmeldung

Veranstaltungen

Exkursionen

Börse

Bibliothek

Vitrine

Links



Frühere Bulletins
Bericht über die Börse 1999 aus der NZZ:
27/28. November 1999

Auf Schatzsuche in Oerlikon

Internationale Zürcher Mineralienbörse

Hon. Auf der Mineralienbörse Zürich in der Messehalle beim Stadthof 11, die an diesem Wochenende zum 39. Mal durchgeführt wurde, findet man nicht nur Jahrmillionen alte Schätze, die aus den Tiefen unserer geologischen Schichten an die Oberfläche geholt wurden, man findet immer auch viele Menschen, die so, wie sie sind, durch ihre Liebe zu den Mineralien - oder auch nur zum Geld, das man mit ihnen verdienen kann - geworden sind. Einzelne sind «Halsabschneider», abgefeimte Kerle, die nur zu genau wissen, dass sie mit ihren einzigartigen Stücken, die sie aus entlegenen asiatischen Bergtälern nach Oerlikon gebracht haben, die angefressenen Sammler in ihre Gewalt bekommen. Sie setzten mit den Preisen in Dimensionen an, die dem in orientalischen Handelsformen nicht Erfahrenen nur noch eine rasche Flucht als vernünftigen Ausweg erscheinen lassen.

Andere lassen leichter mit sich reden, da sie gern verkaufen und gern erzählen. Zum Beispiel der 75jährige Herr aus Trepca in Kosovo. Mit weissem Haar und weissem Bart und langjähriger Erfahrung geht er überlegen mit dem Geschäft um. Er verkauft sehr schöne Kristallstufen aus alten Minen. «Geboren in Trepca, wohne in Trepca, wo sterben, weiss ich nicht», so lautet seine Kurzbiographie. Er will eine rechte Summe für einen wunderschönen durchscheinenden Vivianitkristall, herausgewachsen aus seinem Muttergestein. Ein Messebesucher flüstert mir zu, ich solle ihm die Hälfte bezahlen, der sei damit zufrieden. - Kann man das, einem Mann aus Kosovo, dem noch vor kurzem Teile seines Eigentums in Flammen standen? Wir einigen uns auf einen kleinen Rabatt, und er freut sich über den Verkauf, ich mich über den fast synthetisch grün leuchtenden Kristall und darüber, dass ich ein halbwegs anständiger Mensch geblieben bin.

Einen Stand weiter treffe ich den Mineralogen aus Rumänien, der schon vor einem halben Jahr in den Vogesen mit seinen Stufen aus den Gruben von Capnic in Rumänien Furore gemacht hat. Er macht mir wieder grosszügige Offerten, so dass ich mich verunsichert frage, ob ich dem alten Fuchs aus Kosovo nicht doch zu viel bezahlt habe. Aber der, und nur der hatte den prächtigen kleinen Vivianit. Der Rumäne ist immer guter Laune, preist die Qualität des rumänischen Zeitungspapiers, in das er die Steine wickelt, wenn er nicht rumänisches Toilettenpapier verwendet - ungebraucht, wie sein üblicher Kommentar lautet. Er erzählt begeistert von seinem Land, indem er für Interessierte mineralogische Entdeckungsreisen organisiert.

Aber auch aus dem eigenen Land gibt es Neues, wenn auch nicht in allzu spektakulärer Form. In der ehemaligen Mangangrube von Falotta im Oberhalbstein wurde ein neues Mineral gefunden, ein hydratisiertes Arsenat, wie an der Hochschule in Lausanne herausgefunden wurde, das nun nach seinem «Erfinder» Walter Cabalzar aus Chur den Namen Cabalcarit trägt. Ein winziges Bruchstück mit ein paar lachsroten, fast hautfarbenen Aggregaten ist für 15 Franken in meinen Besitz übergegangen, und ich werde künftig nie mehr über den Julier fahren, ohne an den mir unbekannten Bündner zu denken, der mit dem Dichterfürsten Goethe die Ehre teilt, einem Mineral seinen Namen zu geben. Nicht unerwähnt soll die Frau aus Erstfeld bleiben, die dem vorbeischlendernden Berichterstatter mit so viel Engagement die handwerklichen Qualitäten ihres «strahlenden» Ehemanns pries, dass er sich eine «Artischocke» verkaufen liess. Dabei handelt es sich natürlich nicht um ein Gemüse, sondern um eine Agglomeration von dicken, kurzen Bergkristallen, die dicht an dicht zusammenstehen. Heinz Wahrenberger, den Zürchern als Böögg- konstruierender Buchbinder bekannt, ist der Präsident des Studienkreises Zürcher Mineraliensammler, der die Börse organisiert. Er ist schon daran, sich für die 40. Auflage im kommenden Jahr etwas Spezielles einfallen zu lassen.

Neue Zürcher Zeitung, 29. November 1999

  Studienkreis Zürcher Mineraliensammler
Kontakt